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Die Inschriften des Bundeslandes Kärnten

Politischer Bezirk St. Veit an der Glan

3 Klagenfurt, Diözesanmuseum um 1170

Glasmalerei aus der Fk. Maria Magdalena in Weitensfeld (Weitensfeld-Flattnitz), mit der Darstellung der hl. Maria Magdalena, hineingestellt als Frontalfigur in eine schmale Scheibe, die säulenhaft auf einem ornamentierten Halbbogen die Heilige zeigt, mit blaugrüner, mit goldgelben und roten ornamentierten Borten verzierter Tunika und weißem Untergewand bekleidet, vor sich als Attribut das Salbgefäß in der einen Hand, in der anderen ein Weihrauchfaß. Das schmale Gesicht wird von einem rubinroten Kopftuch eingefasst und einem goldenen Nimbus bekrönt. Dem Nimbus folgt außen im Halbbogen ein weißes Schriftfeld, bezeichnet mit der Namens-Is. Die Glasmalerei wurde erst 1912 „entdeckt“1), kam 1931 in das Diözesanmuseum in Klagenfurt und wurde in den Jahren 1934/35 (nach einem Diebstahl mit nachfolgender Beschädigung) und schließlich nochmals 1977 restauriert.

H. 57 cm, B. 11,5 cm, Bu. ± 1,4 cm. – Romanische Majuskel.


Textedition
			

S · MARIA MAGDAL(ENA)a)

Anmerkungen
a) Beim L scheint ein Kürzungsstrich angebracht, möglich wäre aber auch die ursprüngliche Ausschreibung des Namens, schon aus symmetrischen Gründen und weil Platz für die folgenden Bu. vorhanden war; die Is. müsste dann lauten: MAGDAL[ENA]. Becksmann meint, dass „das Ende der Inschrift durch neutrale Farbgläser ersetzt“ wurde. E. Baum hat 1970/71 die Beschriftung folgend wiedergegeben: S./MARIA MAGDAL/ENA/.

Kommentar

E. Bacher2) hat nachgewiesen, dass diese einzige Glasmalerei des 12. Jahrhunderts in Österreich (er datiert sie in das letzte Drittel des 12. Jahrhunderts) tatsächlich aus der Fk. in Weitensfeld stammt und hier im Achsenfenster des Chores eingefügt war. Vermutet wird, dass auch in den anderen Fenstern des Chores gleich alte Glasfenster vorhanden waren: die Magdalenenscheibe ist das „früheste Zeugnis dieser Kunstgattung in den Alpenländern“3). W. Koch4) datiert das Glasgemälde aus inschriftenpaläographischen Überlegungen in die Zeit „um 1170“ und betont, dass die Weitensfelder Scheibe „etwas klobige Buchstabenformen ..., wie gerade die gemalten Inschriften schon in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts dabei sind, das romanische Formgefühl zu verlassen ...“ zeige5). Die Inschrift weist unziales A (mit Mittelbalken) und schon unziales M mit geschlossener erster und auslaufend gestalteter zweiter Schlinge, die aber nur bis zur Zeilenlinie reicht. Das A kommt aber auch in Dreieckform vor, allerdings mit nach außen gerundeten Schäften, und in Trapezform mit geraden Schäften, Mittelbalken und Deckbalken (letztere sind hier leider durch die Fassung teilweise verdeckt). Das Glasgemälde wird dem Salzburger Kunstschaffen zugeordnet, wobei im Figurenstil eine weitgehende Übereinstimmung mit dem um 1150/60 für das Kloster St. Peter geschaffenen Antiphonar, heute in der Nationalbibliothek in Wien, festgestellt wurde, welches Abt Heinrich (1174–1167) gestiftet hat, der dann Gurker Bischof wurde (Heinrich I., 1167–1174) und in dieser Funktion die dem Gurker Domkapitel zugehörige Fk. St. Magdalena vermutlich mit der in Salzburg angefertigten Glasmalerei ausgestattet haben dürfte6).

1) Frodl, Glasmalerei 54 (Anm. 39). – Vgl. dazu Dvořák, Weitensfeld 139, Fig. 82.
2) Hemma von Gurk Kat.-Nr. 7.72 mit Abb. (Ernst Bacher).
3) Ebenda.
4) Koch, Inschriftenpaläographie Kärntens 122f., 130, Abb. 5.
5) Ebenda 130.
6) Die Zeit der Staufer Bd. 1 Kat.-Nr. 420, Abb. 224 (Rüdiger Becksmann). – Hemma von Gurk Kat.-Nr. 7.72 mit Abb. (Ernst Bacher).
Literatur

Dvořák, Weitensfeld 139, Fig. 82. – Kieslinger F., Glasmalerei 1920, 9f., Farbtaf. 1. – Ders., Glasmalerei 1922, 9f., Taf. 1. – Schnerich, Dom zu Gurk 115. – Kieslinger F., Gotische Glasmalerei 10, Taf. 1. – Ginhart, Kunstdenkmäler Gurk und Friesach 62. – Demus, Kunst in Kärnten, 10. – Kieslinger F., Glasmalerei 1947, 9, 26. – Tripp, Österreichische Glasmalerei 15. – Frodl, Glasmalerei 26–28, 59, Farbtaf. 1. – Kraft, Besprechung 38f. – Neckheim, Diözesanmuseum 683. – Wentzel, Meisterwerke 86, Abb. 7. – Romanische Kunst in Österreich Kat.-Nr. 67, Farbtaf. 6 (Eva Frodl-Kraft). – Fritz/Ebernigg, Sakrale Kunst 168, Farbtaf. 27. – Kärntner Kunst Kat.-Nr. 48, Abb. 33 (Elfriede Baum). – Koch, Inschriftenpaläographie Kärntens 122f., 130, Abb. 5. – Maier A., Diözesan-Museum 5, Abb. 1. – Steindl, Lateinische Inschriften Kärnten 163. – Die Zeit der Staufer Bd. 1 Kat.-Nr. 420, Abb. 224 (Rüdiger Becksmann). – Bacher, Mittelalterliche Glasmalerei 99f. – Biedermann, Romanik 138f., Abb. 69. – Dehio Kärnten 2001, 1062.



Friedrich Wilhelm Leitner

Zitierregel:
Die Inschriften des Politischen Bezirks St. Veit an der Glan, ges. u. bearb. v. Friedrich Wilhelm Leitner
(Die Deutschen Inschriften 65. Band, Wiener Reihe 2. Band, Teil 2) Wien 2008, Kat. Nr. 3,
URL: hw.oeaw.ac.at/inschriften/kaernten-2/teil1/kaernten-2-obj3.xml

Die Deutschen Inschriften
Herausgegeben von den Akademien der Wissenschaften in
Düsseldorf · Göttingen · Heidelberg · Leipzig · Mainz · München
und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien
65. Band, Wiener Reihe 2. Band
Die Inschriften des Bundeslandes Kärnten - Teil 2
Die Inschriften des Politischen Bezirks St. Veit an der Glan

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences Press

 
Schlagworte
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Abbildungen

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Abb. 2: Glasmalerei
Hl. Maria Magdalena (um 1170)
©  Landesmuseum Kärnten (Ulrich Peter Schwarz)